Compliance-Management

Kooperations- und Führungsmängel begünstigen Straftaten in Unternehmen

 

Unternehmenseigenes Compliance Management soll auf allen Organisationsebenen vorbeugende und aufdeckende Maßnahmen sichern, die für das Befolgen von Gesetzen und Richtlinien bedeutsam sind. Einige Unternehmensformen und Branchen haben hierbei gesetzliche Mindestanforderungen zu erfüllen. Darüber hinaus investieren Unternehmen freiwillig in Standards. Allerdings stehen compliancewidrige Affären deutscher Unternehmen weiterhin an der Tagesordnung. Millionenschwere Steuerhinterziehungen und Schmiergeldaffären oder z.B. die umwelt- und gesellschaftsschädigende Softwaremanipulation des Volkswagen-Konzerns offenbaren nur die aktuelle Spitze des Eisbergs an Betrugsskandalen.

 

Compliance – was fördert sie, was behindert sie?

Das Ausmaß strafbarer Handlungen in Unternehmen steht in Abhängigkeit zur Intensität und Qualität sowohl des unternehmensweit gelebten Kooperationsmanagements als auch des Führungsverhalten auf allen Hierarchieebenen. Oftmals liefern bereits Arbeitsbedingungen von Compliance Managern Anhaltspunkte, ob ein Unternehmen betrügerische Machenschaften duldet bzw. ernsthaft verfolgt und ahndet.


Diese Abhängigkeitsfaktoren konnte der Arbeitswissenschaftler Rüdiger Hein vom Frankfurter Institut für nachhaltige Entwicklung in einer empirischen Studie nachweisen. Rüdiger Hein befragte Compliance Manager verschiedener Branchen: vom Beauftragten im nachhaltigkeitspreisgekrönten mittelständischen Unternehmen bis zum leitenden Konzernmitarbeiter, der bei seinem Arbeitgeber schwerwiegende Korruptionsskandale erlebt. Ehemalige Compliance Manager berichteten erstmals über nicht öffentlich gewordene gravierende Straftaten. Die Auswertungen der qualitativen Interviews geben Einblick in den spannenden Berufsalltag von Compliance Managern.

 

Das zur Studie im SpringerGabler-Verlag erschienene Fachbuch „Erfolg im Compliance Management. Konfliktfelder erkennen und bewältigen: Arbeits- und organisationspsychologische Anregungen” beschränkt sich jedoch nicht auf die theoretische Herleitung und Begründung der Relevanz des Themas. Die Darstellung von wissenschaftlich fundierten Bewältigungsstrategien macht das Fachbuch besonders wertvoll für die Praxis.

 

Erfolg im Compliance Management, 2016, 216 S., Springer Gabler Verlag, ISBN978-3-658-12847-0,  Bestellung im Springer Shop

 


Anregungen für die Praxis

Predigen Führungskräfte eine hochwertige Compliance-Kultur, ohne diese selbst konsequent einzuhalten, überträgt sich diese Diskrepanz leicht auf Mitarbeiter. Dies führt zur eigendynamischen Ausbreitung von Non-Compliance im gesamten Unternehmen. Dessen betriebswirtschaftlicher Schaden wird von mehreren befragten Compliance Managern eindrucksvoll in existenzbedrohender Höhe beziffert. Besteht auf und zwischen den verschiedenen Hierarchieebenen keine hinreichende Kultur, dass sowohl Führungskräfte untereinander als auch Mitarbeiter eigene Konfliktpotenziale und erlebte Widersprüchlichkeiten offen reflektieren, dann werden in der Regel keine Compliance tauglichen Lösungen erarbeitet. Die Konzentration auf einen akademisch-abstrakten Wertekodex ist daher fehl am Platz. Viel wichtiger erscheint das realisierbare sowie erreichbare Gestalten von Vorgaben in den Arbeitsalltag aller Mitarbeiter und Führungskräfte.

 

Der Autor: Rüdiger Hein

Für Compliance förderlich erweist sich eine Unternehmenskultur mit stabilem Kooperations- und Wissensmanagement, das sich kriterien- und indikatorbasiert messen lässt. Zur Bewertung von Regelkonformität bedarf es einer alltagstauglichen Feedback-Systematik. In der Studie konnte herausgearbeitet werden, dass es in der Praxis gerade hier an erfolgreicher Umsetzung mangelt. Compliance Manager bekommen diese Mängel deutlich zu spüren. Praxistaugliche Methoden und Techniken können dieser Entwicklung entgegenwirken, wenn sie strategisch durchdacht und mit Fingerspitzengefühl angewandt werden. Hierzu zeigt das 227 Seiten umfassende Fachbuch umfangreich Anregungen und Hilfestellungen für die Praxis auf.

 


Kontakt: hein@fine-institut.de